exposing the dark side of adoption
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Eine neue Familie für uns Waisenkinder

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Eine neue Familie für uns Waisenkinder
020.12.08|Spendenaktion 2008|2
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Hilflose Würmchen liegen in Gitterbettchen und warten darauf, dass die Schwester ihnen die Flasche gibt.

© Westermann
Tariku (2 Jahre) ist seit fast sechs Monaten im Kinderheim. Als er ins Waisenhaus eingeliefert wurde, war der Bub stark unterernährt, aber er hat sich gut erholt. Tariku wurde 300 Kilometer südlich der Hauptstadt ausgesetzt.
Manche schlafen, manche schreien, mache starren durch die Gitterstäbe. Die meisten Babys, die in der Kleinkind-Station im Waisenhaus der äthiopischen Volksheldin Abebech Gobena liegen, wurden ausgesetzt. Viele waren stark unterernährt, dem Tod näher als dem Leben, als sie in die Obhut des Kinderheims kamen.

Hier soll bald unsere neue Schule stehen
Eines der Babys blickt mich mit großen, dunklen Augen hilfesuchend an. „Mitnehmen!“, ist mein erster Impuls. Zumindest eines der Waisenbabys soll in einer Familie aufwachsen, nicht im Heim. Waisenhaus-Mutter Abebech Gobena nickt. Sie hat gute Erfahrungen mit Adoptionen ins Ausland gemacht. „In den reichen Ländern gibt es so viele Paare, die sich vergeblich ein Baby wünschen. Und in Äthiopien gibt es durch Aids und Armut so viele Waisen. Warum also nicht?“
Auslandsadoption – ein nicht unumstrittenes Thema. Dem Argument von Abebech Gobena und vielen adoptionswilligen Eltern steht gegenüber, dass man mit dem Geld, das die Adoptiveltern für „ihr“ Kind ausgeben, in seinem Herkunftsland eine Vielzahl verwaister Buben und Mädchen großziehen könnte. Allein für die Abwicklung der Adoption in Deutschland und im Heimatland des Kindes, für die Ausstellung und Übersetzung aller Urkunden, fallen zwischen 3000 und 10 000 Euro an. Und jeder Papa, jede Mama weiß, wie teuer Kinder von den Windeln bis zum ersten selbstverdienten Geld sind …
Dazu die Negativ-Schlagzeilen über korrupte Vermittler. Länder wie zum Beispiel Nepal sind bekannt für Kinderhandel mit angeblich verwaisten Babys. In Wirklichkeit werden sie ihren verzweifelten Eltern für ein paar Dollar „abgekauft“ oder auf der Straße gekidnappt. Das ist nicht nur illegal, sondern unmenschlich. Auch eine bitterarme Mama liebt ihr Kind. Anstatt ihr das Liebste für wenige Dollar wegzunehmen und für 15 000 Dollar oder mehr in den reichen Westen zu verkaufen, sollten Mutter und Kind vor Ort unterstützt werden.
„Wir geben nur Kinder zur Adoption frei, deren Eltern tot sind, oder solche, die ausgesetzt wurden und deren Angehörige nicht ermittelt können“, sagt Abebech Gobena. Wolfgang Weitzel, der Leiter der Bundeszentrale für Auslandsadoptionen in Bonn bestätigt: „Adoptionen aus Äthiopien zählen zu den korrekten, unkomplizierten.“ Trotzdem betont Weitzel: „Es geht nicht darum, ein passendes Kind für adoptionswillige Eltern zu finden. Es ist umgekehrt: Ausgangspunkt muss das Kind sein. Kann es in seiner Heimat unter keinen Umständen versorgt werden? Eine Adoption ins Ausland ist das letzte Mittel – zum Wohl des Kindes.“
Auch das muss klar sein: Die Kinder werden fragen und wissen wollen, wo ihre Wurzeln sind. „Eine Adoption endet nicht mit dem Unterschreiben der Urkunde“, sagt Weitzel. Und: Wer ewige Dankbarkeit von seinem Kind erwartet, weil er es aus einem Dritte-Welt-Land „gerettet“ hat, handelt wohl nicht aus den richtigen Motiven.
Trotzdem, wenn einen diese großen, dunklen Augen so ansehen, dann fühlt sich der erste Impuls einfach richtig an. „Mitnehmen!“ Und Paare, die sich vergeblich ein Kind wünschen, oder Eltern, die den eigenen Kindern und einem Adoptivkind ihre Liebe schenken möchten, können so falsch nicht liegen mit ihrem Wunsch nach einer Auslandsadoption. Sicher, mit dem Geld könnten vor Ort viel mehr Kinder groß gezogen werden. Aber hier geht es nicht um Geld, hier geht es um Liebe.
Ein Spruch aus dem jüdischen Talmud sagt: Wer auch nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt.
Liebe Leser, bitte, werden auch Sie zum Lebensretter. Der ein oder andere von Ihnen vielleicht mit einem Adoptivsöhnchen oder einer Tochter aus Äthiopien. Und hoffentlich ganz, ganz viele von Ihnen mit einer Spende. Einen Überweisungsträger finden Sie heute in Ihrer tz. Vielen Dank. Simone Herzner
Quelle: tz
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20.12.08 meint pestalozzi (anonym)
wenn wir allen grossäugigen und süssen kinder in der 3. welt helfen wollen, retten wir die welt zwar vor der überalterung, fördern aber gleichzeitig die demografische entwicklung, die in naher zukunft der 10 milliarden grenze entgegenläuft. ressourcenprobleme? verantwortung was längerfristige entwicklungshilfe anbelangt? mag ja alles interessant sein; kennt man bei unicef aber anscheinend nicht. v.a. nicht jetzt während der weihnachts-/spendenzeit wo bei der heimischen bevölkerung mit babyinstinkt auslösenden kinderbildern nur der klingenden münze nachgejagt wird. unsere eigenen probleme in diesem land zu lösen ist anscheinend weniger wichtig als sich bei fernen ländern einzumischen und dort mit geld die (fragwürdige) entwicklung der dortigen (meist militanten, totalitären) staaten zu unterstützen. oh du fröhliche...
an die tz: kritische beiträge (=recht auf freie meinungsäusserung) sind eigentlich in der bundesverfassung verankert... zensur sollte sich nicht am jeweiligen geschmack des redakteurs richten! bitte etwas mehr professionalität (auch wenns geld von unicef gibt)
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20.12.08 meint RedaktionTZ
Sehr geehrter pestalozzi,
Unsere Zensur richtet sich nicht nach dem Geschmack eines Redakteurs. Natürlich haben Sie ein Recht auf Ihre Meinung. Allerdings sollte auch Ihnen bewusst sein, dass solche Aktionen nie alle Probleme lösen können. Allerdings lindern sie die Not von Menschen. Da sollte es eigentlich egal sein, ob diese in Afrika oder in Deutschland sitzen. Außerdem unterstützt die Unicef und die tz, die nun schon jahrzehntelang zusammenarbeiten keinen Staat sondern Menschen.
Mit freundlichen Grüßen,
die Redaktion

2008 Dec 20