exposing the dark side of adoption
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Caritas in den Slums von Addis Abeba

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Gastkommentare Roland Poiger

Caritas in den Slums von Addis Abeba

Helle Aufregung mitten in den Slums von Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens. Im Waisenhaus Kidane Mehret, das von franziskanischen Schwestern geführt wird, laufen Mädchen und Buben  im Gemeinschaftsraum zusammen. Einige  weiße Besucher sind angekommen. Die Kinder scharen sich um die Frauen und Männer, greifen nach ihren Händen, die ganz Kleinen wollen auf den Arm genommen werden. Sie lachen, rufen ihren Namen und werben mit ihren großen, glänzenden Augen um Aufmerksamkeit Es ist ein ganz besonderes Werben, denn sie werben um ihre Zukunft, um ihr Überleben. „Nehmt mich mit“ meinen sie nämlich. Denn der Besuch von Weißen heißt Hoffnung - Hoffnung auf Adoption. Zur Zeit werden mit Hilfe der Caritas Feldkirch in diesem Waisenhaus rund 150 Waisenkinder aufgezogen und betreut. Fast jede Nacht wird ein Baby vor die Heimtüre gelegt oder anonym abgegeben. Sie haben ihre Eltern durch Aids, andere Krankheiten oder Hunger verloren. Glücklicherweise finden sich immer wieder Familien aus  Europa und anderen Kontinenten, die solche Kinder adoptieren.
Ohne die Caritasspenden wäre diese Einrichtung gar nicht möglich.

Die Millionenstadt Addis Abeba ist eine Stadt der Widersprüche. Reich und Arm leben zwar Tür an Tür, aber die Armut überwiegt. Täglich kommen Scharen von Menschen aus allen Richtungen des riesigen, von Hunger, Krankheiten und Missernten geplagten Landes in die Hauptstadt in Erwartung auf ein besseres Leben und enden in den Slums. Viele landen in den Straßengräben, wo sie in Planen eingewickelt liegen und wohnen  - wie  Menschenmüll…

Die Regierung wird der Lage ohne Unterstützung von außen und den Hilfsorganisationen nicht Herr. Was aber besonders auffällt ist, dass die Äthiopier nicht warten bis ihnen geholfen wird, sondern, wo es möglich ist, gerne Eigeninitiative ergreifen. Und das kommt dem Grundprinzip der Caritas Feldkirch entgegen, die nur Projekte unterstützt, die zur Selbsthilfe führen. Ein Stützpunkt ist dabei der Orden der „Good Shepherd Sisters“, dessen Schwestern auf  vielfältige Weise  Sozialarbeit leisten und auch SozialarbeiterInnen ausbilden. 
Da hat sich vor 5 Jahren die junge Frau Ananas Girmai selbständig gemacht und die „Organisation Protection, respect and opportunity for children in the street“ (PROCS) gegründet. Im Kebele (Bezirk) 16, einem besonders anrüchigen, dreckigen Slum mietete sie ein altes Haus als Treffpunkt für Straßenkinder. Sie  ermöglicht ihnen regelmäßigen Schulbesuch, hilft beim Lernen, stellt Bücher zur Verfügung und bietet sinnvolle Freizeitbeschäftigung an. Außerdem nimmt sie Kontakt mit den Eltern auf, um diese zu überzeugen, dass Ausbildung für die Zukunft der Kinder wichtig ist.


Ananas hat allein begonnen, heute hat sie mit Hilfe der Caritas ein Team von 14 Angestellten, die unter anderem als Streetworker, Lehrer und Ausbildner tätig sind. Allerdings platzt das Haus aus allen Nähten, denn es ist nur Platz für 50 Kinder, aber es beherbergt bereits 80 Jugendliche. Ein zweites Zentrum wurde eröffnet, dort werden derzeit 171 Kinder und Jugendliche betreut.
Wenn man eine knappe Stunde weiter durch die Slums fährt, kommt man in den 4. Bezirk. Inmitten von Lehmhütten und Holzverschlägen werkt die Mutter von drei Kindern und Hausfrau Hanna Teshome. Sie nimmt sich bereits seit 1992 der zahlreichen Aidswaisenkinder an. In Äthiopien tragen Millionen von Menschen den HIV-Virus in sich, ganze Eltern-Generationen werden dahingerafft, tausende Aidswaisenkinder leben auf der Straße.

In „Hannas Family Home“ in Addis Abeba  können in acht angemieteten,
sauberen Lehmbaracken rund 100 Aidswaisenkinder im Alter von 4 bis 22 Jahren  in betreuten Wohngemeinschaften leben und regelmäßig die Schule besuchen. Hanna lächelt: „Mit Hilfe der Caritas hoffen wir weitere Hütten anmieten zu können.“
Wenn man von einer Anhöhe auf die Hauptstadt Addis Abeba hinunterschaut, fällt ein großes Gebäude auf, das dominierend aus dem Häusermeer ragt. Es ist das Sheraton-Hotel, das jeden nur erdenklichen Luxus bietet. Eine Übernachtung kostet dort bis zu 300 Euro, das sind in äthiopischer Landeswährung rund 3000 Birr. Für eine Übernachtung im Sheraton könnte man in den Slums die Jahresmiete für vier Lehmhütten bezahlen, oder eine Mahlzeit für  600 Kinder, oder den Tageslohn für 300 Arbeiter oder das Schulgeld für 250 Kinder…
Angenehmen Aufenthalt in Addis Abeba. Die Slums lassen grüßen!


Äthiopische Eindrücke

Man muss nur wenige Meter von der Churchill-Road, dem so genannten „Boulevard“ von Addis Abeba abweichen, schon ist man von Blechhütten sowie undefinierbaren, aus Brettern, Kartons oder Plastikplanen konstruierten Behausungen umgeben. Menschengetümmel, Staub und Schlaglöcher in den Gassen. Mitten drin ein großes Haus: Das Waisenhaus „Kidane Mehret“.
150 Waisenkinder werden hier von den Franziskanerinnen betreut. Waisenkinder, die auf eine Adoption hoffen. Und täglich werden es mehr. Die Spender der Caritas Feldkirch machen es möglich, dass Kinder nicht abgewiesen werden müssen. Alle finden ein Heim, die Möglichkeit einer Ausbildung oder eine Adoption. Mädchen und Buben stürmen aus allen Ecken und Räumen auf die weißen Besucher zu, rufen ihre Namen, schmiegen sich an die Frauen und Männer der Caritasdelegation. Erwartungsvoll schauen sie zu ihnen auf. “Werde ich mitgenommen?“

(„Mein Gott, sind das schöne Kinder, denke ich. Die kleine Assefu drückt sich an mich, streckt ihre Ärmchen hoch. Sie fixiert mich mit ihren großen braunen Kulleraugen. Ich nehme sie auf den Arm. Ganz fest umklammert sie meinen Hals, schaut mir ernst und fragend ins Gesicht.
Kein Laut, kein Lachen, nur dieser Blick. Ich spüre, wie sie zittert. Ihre Umklammerung tut fast weh. Ich streichle ihr den Rücken. Wie gern würde ich dich mitnehmen, denke ich, aber es geht nicht. Plötzlich rinnt etwas Warmes über meinen Arm. Diese Aufregung. Arme Assefu.
Ich habe einen Klotz im Hals, als ich ihre Umklammerung löse und sie der Schwester übergebe...“)

In Addis Abeba unterstützt die Caritas mehrere Projekte, wie „Hannas Familiy Home“, wo die Hausfrau und Mutter Hanna Teshome mit ihrem Team Aidswaisenkinder in angemieteten, sauberen Slumhütten betreut. In einem anderen Slumbezirk ist es Ananas Girmai, die Straßenkindern einen Treffpunkt und Schulbildung ermöglicht und auch deren Eltern besucht. „Organisation, protection, respect and opportunity for children in the street (PROCS)” nennt sich diese NGO. Beide sind auf Spendengelder der Caritas angewiesen.

(„Der 15- jährige Ferew auf die Frage nach seinem Berufswunsch : „Pilot“. Helene eilt mit Büchern unterm Arm herbei: „Ärztin“. Was Hanna und Ananas leisten, kann man gar nicht schildern, denke ich mir. Es sind durch euch viele junge Menschen aus den Slums herausgeholt worden. Bewundernswerte Frauen , die an Veränderung glauben, ohne Lobby in Addis, angewiesen auf die Spendengelder der Caritas.

200 Kilometer südlich von Addis Abeba in der Region Meki. Kilometerweit nur graue Landschaft, Staub, nichts Grünes, abgeholzte Bäume, Termitenhügel. Getreidelager müssen
eingerichtet werden, eine Schule wird gebaut. Auf einer Anhöhe ist vor kurzem ein 50-Kubikmeter-Wasserreservoir errichtet worden. Die mehrere Kilometer lange Leitung in den nächsten Ort wird von der Caritas zugesagt. Wasser für 4500 Einwohner und Einwohnerinnen.

(Umringt von Kindern - schmutzig in Fetzen gehüllt und von Ausschlägen im Gesicht gekennzeichnet - wird das Brunnenprojekt besprochen. Die Alten sind stolz, man sieht die Freude und Erwartung in ihren Augen. Bald muss man nicht mehr 20 km weit zum  nächsten Brunnen Wasserholen gehen. Was sind wir doch für Luxusmenschen. Verschämt verschenken wir unsere Mineralwasserflaschen und einige Kulis unter lautem Jubel an die Kinder. Ein heller Tropfen für vielleicht eine Stunde…)


150 km weiter südlich liegt die Schwesterdiözese von Feldkirch das Vikariat Awassa, flächenmäßig so groß wie Österreich. Combonimissionare und Schwestern betreiben mit hoch qualifiziertem Personal in dieser Region zahlreiche Schulen für ca, 25.000 Kinder und Jugendliche. Mit Hilfe des Schulgeldfonds der Caritas wird eine grundlegende Ausbildung für Mädchen und Buben geboten. Gründerin und Leiterin der Comboni Senior Secondary School in Awassa ist Schwester Maria Pia.

(700 Studenten der höheren Schule angetreten zum täglichen Appell vor Unterrichtsbeginn. Fahnenhissung, Nationalhymne, Gebet. Die schmächtige Schwester Maria Pia vorne erinnert mich an Mutter Theresa . Zur Überraschung tritt Caritasdirektor Klinger aufs Podium, teilt mit, dass Schwester Pia, nach 25 Jahren von  ihrem Orden zurück nach Europa in den Ruhestand gerufen wird. Ein Raunen braust auf. Er überreicht ihr eine goldene Münze als Dank und hat ehrende Worte für ihre Pionierarbeit, Applaus, Jubel und bei manchen Tränen in den Augen. Sie beherrscht sich tapfer, man spürt, es ist ein schwerer Abschied für sie. `Doch eine Mutter Theresa´, denke ich … eine Heilige, wie alle die Missionare hier für mich Heilige sind)


Caritasarbeit in Äthiopien

Zur Sache

Ein Schwerpunkt der Auslandshilfe der Caritas Feldkirch liegt in Äthiopien, das immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt zählt. Mit seinen 1,1 Millionen Quadratkilometern ist Äthiopien das größte Binnenland der Welt, 13-mal so groß wie Österreich. Das Land zählt rund 70 Millionen Einwohner, davon sind 75 Prozent Analphabeten. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen und Männern liegt bei 50 Jahren. Die Caritas Feldkirch unterstützt verschiedene Projekte in der Hauptstadt Addis Abeba und im Süden des Landes, wobei großer Wert auf Bildung gelegt wird. Allein im Vikariat Awasa, 350 km südlich von Addis Abeba, ermöglichen die Spendengelder rund 25.000 Kindern und Jugendlichen den Besuch von mehr als 40 Kindergärten und Schuleinrichtungen, die von der katholischen Kirche mit Hilfe der Caritas gegründet worden sind. Ein  Gesundheitszentrum mit Spital  für mehr als 160.000 Einwohner wird mitfinanziert. Im Hungergebiet Meki, 200 km südlich  der Hauptstadt, werden Brunnenprojekte gebaut, Getreidelager angelegt und ein landwirtschaftliches Schulungszentrum errichtet. In Dilla, auf dem Weg zur kenianischen Grenze, wird ein großes Handwerks- und Landwirtschaftsschulzentrum gefördert.

ZUR PERSON:

Roland Poiger besuchte als Journalist innerhalb der letzten 7 Jahre bereits dreimal diese Projekte. “Es ist unglaublich, welch positive Fortschritte man von  Jahr zu Jahr feststellen kann.“ Trotz Verbesserung der Wasserversorgung, den Ausbau von Bildungseinrichtungen, die Ausgabe von Nahrung und die Schaffung neuer Getreideanbauflächen gibt es nach wir vor viel Elend. „Caritasdirekor Peter Klinger und Martin Hagleitner-Huber von der Caritas-Auslandshilfe überprüfen jedes Jahr an Ort und Stelle, ob die Spendengelder richtig eingesetzt werden. Das beeindruckt mich besonders“ stellt Poiger fest.

SPENDENKONTO: Raiffeisenbank Feldkirch, KtoNr. 40006, BLZ 37422